„Namastee“ (Guten Tag) nach Deutschland

Ereignisreiches Auslandssemester von Christoph Knedel in Delhi. Content Artikel Erscheinungsdatum Ausblendungdatum Verstecken Content Type Titel Untertitel Kategorien TeaserPage Teaser für Kategorie Teaser im Header

Schon zu Beginn meines Studiums „Maschinenbau“ an der Fachhochschule Flensburg hatte ich die Motivation, ein Auslandssemester zu absolvieren. Dieser Wunsch hat sich zum sechsten Studiensemester endlich erfüllt. Insgesamt dauerte mein Auslandsaufenthalt an dem „Indian Institute of Technology Delhi (IITD)“ fast fünf Monate.

„In ein exotisches Land, etwas Aufregendes und Interessantes.“ Kurz darauf las ich einen interessanten Artikel über Indien als aufstrebende Wirtschaftsnation in den VDI nachrichten und hatte mich verstärkt mit dem Land auseinandergesetzt. Indien ist nicht nur exotisch und hat kulturell einige Herausforderungen für Europäer parat, es ist auch in Punkt Technologie und Forschung durch die Marke „Indian Institute of Technology (IIT)“ erstklassig. Ein weiterer Vorteil Indiens ist die Sprache. Da weit über einhundert Sprachen in der größten Demokratie der Welt gesprochen werden, ist Englisch die feste Amtssprache des Landes.

Reisevorbereitung

  • Dadurch, dass die Fachhochschule leider keine Partneruniversitäten in Indien hat, hatte ich beschlossen, persönlich Kontakt zu den IITs in Indien aufzunehmen. Per E-Mail hatte ich Anfragen gesendet und bekam einige Tage später eine positive Antwort von der IIT Delhi, die in Indiens Hauptstadt liegt.
  • Nachdem ich die Zusage für einen Studienplatz bekam, musste ich mich um eine Unterkunft kümmern, dieses hat mein Gastprofessor für mich übernommen, so dass ich in dem IIT Delhi Campus wohnen konnte.
  • Das Studentenvisum konnte ich dank meiner offiziellen Einladung der IIT Delhi dann im indischen Konsulat Online beantragen.
  • Beim Arzt wurde mir empfohlen, alte Impfungen wieder aufzufrischen und zwei weitere Impfungen zur Prophylaxe zu nehmen. Eine Reiseapotheke hatte ich mir mit Hilfe meines Hausarztes zur Sicherheit auch zusammengestellt und eine Auslandsreisekrankenversicherung schloss ich auch ab.

 

Auch um die Finanzierung musste ich mich kümmern:

  • Da die Fachhochschule Flensburg nicht in einem festen Austauschprogramm der IIT Delhi ist, musste ich 2.000 US-Dollar Studiengebühren für mein Auslandssemester zahlen. Dieses wurde komplett vom Auslands-BAföG getragen, so dass ich mir deshalb keine Sorgen machen musste.
  • Nicht nur die Vielfalt der Angebote ist in Indien groß, auch das Leben ist im Vergleich zu Deutschland sehr günstig. Da das Durchschnittseinkommen der Inder bei ungefähr 540 EUR liegt, bekommt man schon ab 0,80 Cent ein leckeres Essen, von dem man sehr satt wird.


Mein Hostelzimmer im Institute of Technology, Delhi.
Mein Hostelzimmer im Institute of Technology, Delhi.
Am 31.01.11 ging es dann im Flugzeug nach Delhi und ich kann sagen: Die ersten Tage in Indien waren wirklich sehr intensiv. Angekommen auf dem Campus der Hochschule war ich erstaunt von seiner Größe, die im Vergleich etwa die gesamte Flensburger Innenstadt umfasst. Überall gab es andere Gerüche, Tiere, Töne und Autos. Besonders das permanente Gehupe zu jeder Straßensituation, sei es Überholen, Abbiegen oder einfach Laune, hat mich am Anfang sehr irritiert. Auch hatte ich mich daran gewöhnt, mit einem kleinen Eimer zu duschen und ohne Klopapier auszukommen. Das indische Essen konnte ich dank einiger Magentabletten zwei Wochen später ohne Probleme richtig genießen. Da ich mich mit der Einrichtung und der sanitären Ausstattung meines zugewiesenen Hostelzimmers der IIT nicht ganz wohlfühlte, hatte ich am dritten Tag beschlossen, auf eigene Wohnungssuche gehen. Einen Tag später fand ich dann über das Internet tatsächlich eine gute Wohnung für 160 EUR Warmmiete inklusive zwei indischer Mitbewohner.

Mit meinem etwas eingeschlafenen Schulenglisch konnte ich mich gut verständigen und hatte schnell die Wichtigkeit der englischen Vokabeln „bucket“ (Eimer) gelernt, da man zum Duschen keine europäische Brause angeboten bekam.

Nach einigen Tagen hatte ich sofort Kontakte mit anderen Austauschstudenten knüpfen können, mit denen ich dann am Wochenende auch Touren in verschiedenste Gebiete Indiens unternahm. So konnte ich auch ganz nebenbei einige wichtige Hindivokabeln und die indische Musik genießen lernen. Besonders die zahlreichen Religionen Indi­ens konnte ich so auch durch Besichtigung wichtiger Monumente bes­ser verstehen. Auch meine indischen Mitstudenten waren sehr offen und hilfsbereit. Spätestens als ich erwähnte, dass ich aus Deutschland käme, stand ich im Mittelpunkt einer Konversation, da die Inder mit Deutschland Automarken wie BMW, VW oder Mercedes und Porsche assoziiert hatten, die sich in Delhi großer Beliebtheit erfreuen. Auch die ständigen Blicke, die man als einziger Hellhäutiger in der überfüllten Delhi-Metro bekommt, sind anfangs sehr bedrängend. An all dies hatte ich mich aber nach einiger Zeit gewöhnt und es war für mich normal, anders als die Inder zu sein.

Umzug im indischen Rikscha.
Umzug im indischen Rikscha.
Exkursion Taj Mahal in Agra.
Exkursion Taj Mahal in Agra.

Besonders interessant war auch mein Praktikum bei Schneider Electric India Pvt. Ltd., welches ich im Rahmen meiner Studienarbeit durchführen konnte. Der Sitz der Firma war in Gurgaon, einem industriellen Vorort von Delhi, der wirklich komplett andere Eindrücke hinterließ als Delhi. Moderne, hohe Gebäude, hektische Menschen und überall Baustellen. Manchmal kam ich mir vor, wie in einem futuristischen Film, als ich mir die Architektur der ganzen Gebäude genauer ansah.

Insgesamt kann ich sagen, dass Indien für mich wirklich die beste Auslandserfahrung war, die ich hätte sammeln können. Die Arbeit der indischen Professoren und der indischen Ingenieure ist hervorragend und steht in nichts den Deutschen nach.

Wer weitere Information oder Hilfe bei der Organisation für ein Auslandssemester an der IIT Delhi haben möchte, darf gerne den eingerichteten Webblog theingwalla.blogspot.com besuchen oder mir eine E-Mail schreiben.<<

Viele Grüße und ein indisches „Namaste“.

 

Christoph Knedel, VDI BG Flensburg