„Team Raceyard“ auf den Spuren der Formel 1

Das Ziel ist klar formuliert: Platzierung unter den ersten fünf soll es sein.

Seit 2006 nimmt das Team Raceyard bereits an dem Konstruktionswettbewerb „Formula Student“ teil. Für diesen Wettbewerb konstruieren, fertigen, fahren und finanzieren 45 Studenten der Fachhochschule Kiel einen einsitzigen Formelrennwagen. In diesem Jahr geht mit dem T-Kiel A 11 bereits der sechste Raceyard Rennwagen auf den Events in Silverstone und Hockenheim an den Start.

Der „E-Racer“ beim Check.
Der „E-Racer“ beim Check.
Begonnen hatte die Saison 2010/2011 bereits im September letzten Jahres. Nachdem aus dem Vorjahresteam nahezu alle Mitglieder das Team nach zwei Jahren verlassen hatten, galt es ein neues Team zu formen. Nach der Teambildung galt es, Arbeitspakete zu verteilen und die Grundlagen der methodischen Konstruktion zu lernen, Einflussfaktoren zu ermitteln, Schnittstellen zu designen, Bauräume zu verteilen und schließlich jedes Teil am Computer zu konstruieren.

Das Fahrwerk ist auf Grundlage neuer Reifendaten deutlich weiterentwickelt worden, die Motorsteuerung wurde komplett überarbeitet, um den Benzinverbrauch bei gleicher Leistung deutlich zu senken. Der Rahmen ist bei gleichem Gewicht nahezu doppelt so verwindungssteif und die Ergonomie wurde noch besser an die potenziellen Fahrer angepasst. Neue Erkenntnisse erhofft sich das Team auch durch das neue CAN-Bus System, mit dessen Hilfe eine Vielzahl von Sensordaten aufgezeichnet und ausgewertet werden können. Als Antriebeinheit wird ein Honda CBR 600 Motor genutzt. Trotz vom Reglement geforderter Restriktion in der Ansaugluft konnten für den T-Kiel A 11 95 PS und 68 Nm Drehmoment bei 215 Kilogramm Gewicht erzielt werden. Die Konstruktionsphase dauert von Anfang Oktober bis zu den Klausuren Ende Januar.

Das Projekt ist komplett durch Sponsoren und Spendern aus der Industrie finanziert. Dementsprechend gilt es bereits zu Beginn der Saison Sponsoren zu werben, die Geld, Teile, Materialien oder Fertigungskapazität zur Verfügung stellen. Die Suche gestaltete sich stets sehr steinig un d es ist viel Ausdauer erforderlich, bis genug Mittel zur Realisierung eines Fahrzeuges gesammelt wurden. Zum Glück finden sich dann aber doch immer genug Begeisterte, die bereit sind, dem Team zu helfen.

Ist der Wagen konstruiert, geht es in die Fertigung, wo das Team die im Kon­struktionsprogramm erarbeiteten Lösungen in die Realität umsetzen und an das Fahrzeug bringen muss. Raceyard ist in der glücklichen Lage, im Institut für CIM Technologietransfer an der FH Kiel eine eigene Werkstatt zu haben, welche mit den notwendigen Bohr,- Dreh,- und Fräsmaschinen ausgestattet ist. Dies erlaubt dem Team, eine Vielzahl von Teilen selbst herzustellen. Einige kompliziertere Teile werden von Partnern in der Industrie gebaut. In dieser Phase ist die Proje ktkoordination besonders wichtig. Teile werden gekauft, Fertigungsaufträge gehen raus, die Finanzen müssen stets im Blick gehalten werden. Alles muss so getimt sein, dass es zum rechten Zeitpunkt eintrifft und dass die eingeworbenen Gelder optimal eingesetzt werden. Anfang Mai war der T-Kiel A 11 weitestgehend komplett gebaut und wurde im Rahmen des Rollouts erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Nach der Bauphase muss der Wagen getestet und Fahrer für das Event ausgebildet werden. Die Testphase ist für den Erfolg bei den Wettbewerben von besonderer Bedeutung. Zum einen muss die Haltbarkeit sichergestellt werden, zum anderen müssen alle Teile des Fahrzeuges so eingestellt sein, dass das volle Potenzial des Fahrzeuges auch ausgeschöpft wird. Hierbei kommen die Sen­sordaten zum Einsatz, die Rückschluss auf den aktuellen Zustand des Fahrzeuges geben und die Abweichung zum Sollzustand deutlich machen. Besonders das Fahrwerk bietet viel Spielraum für Verbesserungen. Um diese Zeit zu haben, ist es wichtig, dass der Wagen wirklich bis Mitte Mai auf der Teststrecke ist. Da die Fahrer aus dem Team kommen und zum großen Teil keinerlei Rennsporterfahrungen haben, wird bereits im März mit Vorjahreswagen die Ausbildung begonnen. Nur sehr geübte Fahrer haben die Möglichkeit, das Potenzial des T-Kiel A 11 auch wirklich auszunutzen.

Mitte Juli bis Anfang August sind dann die Wettbewerbe in Silverstone und Hockenheim. An diesem Event nehmen über 80 Teams aus allen Teilen der Welt teil, um ihre Konstruktion vorzustellen und sich mit den anderen zu messen. Dabei muss das Team in sieben Disziplinen beweisen, dass es in den neun Monaten Projektarbeit gute Lösungen gefunden und ein schnelles Auto gebaut hat. In vier Disziplinen fährt der Wagen gegen die Uhr und wird so dynamisch getestet. In einer wird zudem der Benzinverbrauch bewertet. In den drei weiteren Disziplinen wird der Kostenplan des Team bewertet, die Konstruktion des Fahrzeuges durch eine Fachjury kritisch hinterfragt und das Team muss einen Businessplan für eine fiktive Kleinserie vorlegen und präsentieren. Es geht also nicht nur darum, einen schnellen Wagen zu bauen, vielmehr muss das Team arbeiten wie ein Unternehmen, mit allen relevanten Aspekten, und muss dies auch präsentieren. So lernen die Studenten, dass ein Projekt nur im Team gelingen kann und alle Aspekte berücksichtigt werden müssen.

Der T-Kiel A 11 wird der letzte Formelrennwagen mit klassischem Verbrennungsmotor sein. 2012 wird das Team auf einen rein elektrischen Antrieb umsteigen und an der neuen Formula Student Electric teilnehmen. Die Entwicklung dieses Fahrzeuges läuft bereits seit Dezember 2010. Alles Details zum T-Kiel A 11, zum Wettbewerb und zur Entwicklung des „E-Racers“ finden Sie unter: www.raceyard.de. <<

 

VDI LV Schleswig-Holstein