Wie viel Wasser ist in der Luft?

Gestern war es drückend und schwül, heute ist es angenehm frisch. Beim Blick aufs Thermometer fällt dir auf: Die Temperatur hat sich kaum verändert, trotzdem empfindest du sie heute anders als gestern.

 

Was brauchst du?
1 langes Thermometer (circa -10° C bis +100° C, gibt es in der Apotheke), 1 Teller, 1 Föhn, 1 Mullbinde, Wasser.

 

 

 

Wie gehst du vor?
Suche dir drinnen oder draußen einen schattigen Ort.
Halte das Thermometer dort etwa drei Minuten
in die Luft bis sich die Anzeige nicht mehr verändert (1).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lies die Temperatur ab und notiere sie dir (2).

 

 

 

 

 

 

 

Wickle nun unten am Thermometer eine Handbreit Mull rund um den Messkopf (3).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schütte etwas Wasser in den Teller und tauche die Mullbinde hinein, bis sie ganz feucht ist (4).

 

 

 

 

 

 

 

Schalte jetzt den Föhn ein und blase – mit Kaltluft oder auf der niedrigsten Stufe – so lange auf das Thermometer, bis sich die angezeigte Temperatur nicht mehr verändert (5). Notiere den Temperaturwert.

 

 

 

 

 

 

Was passiert?
Obwohl du beide Male am selben Ort misst, erhältst du unterschiedliche Temperaturen, wobei die zweite Temperatur mit dem nassen Mull um das Thermometer niedriger ist.

Warum ist das so?
Während du zuerst die Lufttemperatur ermittelst, misst du beim zweiten Mal die durch die sogenannte Verdunstungskälte herabgesetzte Lufttemperatur: Aus dem Mull verdunstet Wasser, wodurch die Temperatur am Thermometer sinkt. Je trockener und wärmer die Umgebungsluft ist, desto mehr Wasser verdunstet und desto größer ist der Temperaturunterschied zwischen deinen beiden Temperaturmessungen, beziehungsweise je kälter und feuchter die Luft ist, desto weniger Wasser verdunstet. Das Luftthermometer wird als „Trockenthermometer“ bezeichnet, das andere als „Feuchtthermometer“.

 

 

Was ist eigentlich „relative“ Luftfeuchtigkeit?
Bei Null Grad Celsius kann ein Kubikmeter Luft (1.000 Liter) rund fünf Gramm Wasser enthalten, bei 40° C sogar 51 Gramm. Diese „absolute Luftfeuchtigkeit“ gibt das Gewicht des vorhandenen Wassers in einem Kubikmeter Luft an. Die „relative Luftfeuchtigkeit“ dagegen ist das Verhältnis der aktuellen Luftfeuchtigkeit zur höchstmöglichen, das heißt sie ist ein Maß dafür, wie viel Wasser die Luft momentan noch aufnehmen könnte, bis sie „gesättigt“ ist. Bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit zeigen dann Trocken- und Feuchtthermometer die gleiche Temperatur an, da kein Wasser mehr verdunsten kann. Dann ist die Luft so mit Wasser gesättigt, dass sie nichts mehr aufnehmen kann. 100 Prozent Luftfeuchtigkeit ist etwa dann erreicht, wenn Nebel herrscht.

 

 

Wo kommt das vor?
Das Trocken- und das Feuchtthermometer bilden zusammen das sogenannte „Aßmann‘sche Psychrometer“, das in vielen der weißen Wetterhäuschen der meteorologischen Messstationen eingebaut ist. Aus dem gemessenen Temperaturunterschied lässt sich mithilfe einer Tabelle die „relative Luftfeuchtigkeit“ ermitteln. Wenn du Fieber hast und Wadenwickel bekommst, kühlt die Verdunstungskälte deinen Körper ab. Genauso ist es beim Schwitzen, wenn dir heiß ist, deine Haut sich aber kühl anfühlt. Auch in diesem Fall braucht das Wasser zum Verdunsten Wärmeenergie, die es deinem Körper entzieht. Diese Kühlfunktion ist für uns lebenswichtig. Die Verdunstungskälte ist auch im Sommer hilfreich, wenn man beispielsweise beim Zelten Getränke kühlen möchte, aber keinen Kühlschrank hat. Wenn du dann die Flaschen in nasse Socken steckst und sie irgendwo aufhängst – am besten im Wind –, sind die Getränke ziemlich schnell kühl und erfrischend.

 

Aus: Der Kinder Brockhaus Experimente, Den Naturwissenschaften auf der Spur.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages. www.brockhaus.de