Rohrleitungs- und Anlagenbau auf Höhe der Zeit
Wie das Russische Erdgas nach Europa kommt.
Zur langfristigen Sicherstellung der Energieversorgung von Europa mit Erdgas wird mit der Nord-Stream Pipeline eine direkte Verbindung von Russland nach Europa durch die Ostsee geschaffen. Die Pipeline besteht aus zwei 1.224 Kilometer langen Rohrleitungen mit einem Nenndurchmesser von 1.200 Millimeter.
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| Aufstellen einer Armatur durch den Einsatz eines 450 to. Raupenkrans. |
Für den Landabschnitt in Deutschland haben die Stahlrohre einen Innendurchmesser von 1.153 Millimeter und eine Wandstärke von 34,6 bis 41 Millimeter. Der Auslegungsdruck für die Anlandestation beträgt 178,5 bar. Die Rohre haben bei einer Länge von zwölf Metern ein Gewicht bis zu 15 Tonnen. Für die Seeverlegung sind diese zusätzlich mit 60 bis 150 Millimeter Beton ummantelt. Hierdurch erhöht sich das Gewicht auf circa 25 Tonnen, um stabil am Meeresboden zu liegen.
Die Nord-Stream Pipeline wird aus zwei jeweils etwa 1.220 Kilometer langen parallelen Pipelinesträngen bestehen. Der erste Leitungsstrang ist im dritten Quartal 2011 fertiggestellt worden und mit einer Transportkapazität von rund 27,5 Milliarden Kubikmetern Erdgas pro Jahr in Betrieb gegangen. Nach der Fertigstellung des zweiten Pipelinestrangs im Jahr 2012 wird sich die Transportkapazität auf rund 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr verdoppeln. Damit können rechnerisch mehr als 25 Millionen europäische Haushalte mit Energie versorgt werden. Im Juni 2010 erhielt die Rohr- und Maschinenanlagentechnik GmbH (RMT) den Auftrag von Nord-Stream zur Errichtung der Anlandestation der Ostsee-Pipeline und den Auftrag von der Wintershall Holding/Wingas GmbH für den Anlagenbau der anschließenden verfahrenstechnischen Anlage zur Gasreinigung, Vorwärmung, Druck- und Mengenregelung und Mengenmessung bis zu den Anbindungen an die Pipeline „Opal“ und „NEL“. Die Installation der Baustelleneinrichtung erfolgte im September 2010.
Diese Anlage besteht pro Strang aus je einem Notabsperrventil (SAV‘s), dem circa 115 Tonnen schweren und etwa 10,5 Meter hohen Gatevalve und den so genannten Sende- und Empfängerstationen der Pipeline-Inspektionsmolche (Molchschleuse). Die Schieber- und Notabsperrventile werden benötigt, um im Notfall die Pipeline von den Anlandungseinrichtungen zu trennen.
Zu den von RMT durchzuführenden Arbeiten gehören:
• Schweißen und Montage von Komponenten und Rohrsystemen
• Koordination zerstörungsfreie Werkstoffprüfung
• Korrosionsschutz
Um die Rohre und Komponenten schweißtechnisch verarbeiten zu können, wurde eine Unterpulver-Schweißanlage mit einem Schweißportal von 3,5 Metern Höhe und ein elektrisch/hydraulischer Drehantrieb mit Drehmoment 55.000 Newtonmeter installiert. Die Bauteile, die aus den Rohr- und Formteilkomponenten zu Bauteilgruppen vorgefertigt werden, haben eine Länge von bis zu 36 Metern bei einem maximalen Gewicht von bis zu 45 Tonnen. Hierfür wurden in der Vorfertigungshalle entsprechende Hebevorrichtungen und spezielle Unterstützungs-Rollenböcke installiert.
Das Schweißnahtgewicht beträgt circa 30 Kilogramm pro Naht für die Rohrabmessung 1235 x 41 mm. Zum Schweißen der Bauteile kommen im Wesentlichen die Schweißverfahren Unterpulverschweißen (UP-121) und Schutzgasschweißen mit Fülldraht mit CRC-Halbautomaten (MAG-136), jeweils in Kombination mit dem Wolfram-Inertgasschweißen (WIG-141) für das Einbringen der notwendigen Badsicherung zur Anwendung.
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| Einheben von vorgefertigten Rohrleitungsteilen. | Rohrzuschnitt für die verbindende Schweißnaht zwischen Anlandestation und Pipeline. |
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| Aufstellen eines 115 to. schweren Gatevalves. |
Die vorgefertigten Baugruppen werden im Baufeld entsprechend den Planungsvorgaben zusammengefügt. Hier kommen die Schweißverfahren Schutzgasschweißen mit Fülldraht mit CRC-Halbautomaten (MAG-136) und das herkömmliche E-Handschweißen mit basischer Elektrode (E-Hand-111), jeweils in Kombination mit dem Wolfram-Inertgasschweißen (WIG-141) zur Anwendung.
Für die durchzuführenden Schweißarbeiten war es erforderlich, verschiedene Verfahrensprüfungen durchzuführen. Dazu wurden an Probestücken der zu verbauenden Rohrleitungsteile Nähte geschweißt und diese auf ihre technologischen Werkstoffeigenschaften geprüft. Erst nach Erfüllung der vom Kunden geforderten und von unabhängigen Sachverständigen bestätigten Eigenschaften der Bauteile konnten die Arbeiten an der Anlandestation durchgeführt werden.
Der Bau der Anlandestation konnte im Herbst 2011 zur Inbetriebnahme des ersten Pipelinestranges termingerecht abgeschlossen werden. <<
Jörg Leonhard, für Rohr- und Maschinenanlagentechnik GmbH – Oldenburg, info@rmt-anlagenbau.de




