Die Bezirksgruppe Niederelbe-Steinburg besichtigt Kreidegrube „Heidestraße“
Die Firma Holcim ist der größte Zementhersteller in Norddeutschland und verwendet dazu die Kreide als natürlichen Rohstoff. Zement wird in Lägerdorf seit fast 150 Jahren mit den „Techniken der Zeit“ hergestellt. Bei Kaffee und Kuchen berichtete Willi Breiholz von der Firma Holcim kurz über die Chemie des Zements und anschließend über das Thema: Wie ist in diesem Gebiet die Kreide entstanden?
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| Kreidegrube in der Heidestraße. |
Vor 70 Millionen Jahren lag die Norddeutsche Ebene unter einer 1.000 Meter tiefen Wasserfläche, in der Kalk bildendes Kleinstgetier lebte. Das sind zum Beispiel Algen, Wurzelfüßer und Einzeller. Man kann jetzt noch „Donnerkeile“ finden, eine ausgestorbene Gattung der Tintenfische. In 20 Millionen Jahren lagerten sich die abgestorbenen, kalkhaltigen Tierchen als Sedimente ab und bildeten in Lägerdorf eine Schicht von 400 Meter Dicke. Die Ausbreitung der Kreide- oder Salzschichten ist auf Rügen und Helgoland, in Mön, Bad Segeberg, und Dover zu erkennen.
Nach den umfangreichen Informationen und dem Anlegen der Sicherheitsbekleidung fuhren wir zur Kreidegrube in die Heidestraße. Die 21 Teilnehmer waren erstaunt über die gewaltigen Ausmaße der Grube mit einer Fläche von 1,2 x 1,0 Quadratkilometern. Breiholz führte die Gruppe zur Grubensohle, die sich zur Zeit in 40 Metern Tiefe befindet. Hier bot sich den Besuchern ein imposantes Bild von der Größe und den gewaltigen Räum-, Transport- und Förderanlagen. Die Notwendigkeit zum Tragen von Gummistiefeln war allen klar, da die Grube nach den vorangegangenen Regentagen noch nicht trocken war.
Zwei große Schaufelradbagger, einer an der Westseite der Grube, der größere an der Ostseite, mit einer Förderleistung von je 800 bis 1.500 Tonnen pro Stunde, lösen die Kreide von den Hängen und fördern sie über eine Verteileranlage mit Förderbändern zur Produktion.
Die Kreide auf der West- und Ostseite der Grube ist in ihrer Zusammensetzung unterschiedlich (CaCO3), so dass zur Qualitätssicherung der Mischung der Einsatz der Bagger entsprechend gesteuert wird. Zur Zeit wird auch Ton von dem Desy-Tunnelbauprojekt „TULA“ in Hamburg-Schenefeld und dem U-Bahn-Tunnel U4 zur Hafencity zugemischt.
Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie bei der Firma Holcim und einem E-Werk über die Errichtung eines Wasserkraftwerks zwischen zwei ausgebeuteten Gruben mit einem Höhenunterschied von 60 bis 80 Metern und einem Wasservorrat von 3,3 Millionen Kubikmetern. Hiermit soll Strom aus Windkraftanlagen gespeichert werden.
Am Ende des Rundganges waren sich alle Teilnehmer einig, dass es ein sehr informativer Nachmittag war. <<
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Hans Fischer, VDI LV Schleswig-Holstein


